26 Mär 2016

Entscheidung 8 Ob 141/15s (1. Quartal) „Skiunfall und damit einhergehende Verkehrssicherungspflichten des Pistenbetreibers“

In gegenständlicher Rechtssache hatte der OGH über die Frage über das Vorliegen einer atypischen Gefahr, die für einen Schifahrer auf einer präparierten Piste ohne weiteres erkennbar oder beherrschbar ist sowie für den Inhalt einer allfälligen konkreten Verkehrssicherungspflicht des Pistenbetreibers, zu entscheiden.

Der Schiunfall war darauf zurückzuführen, dass – ein konditionell und technisch guter Schifahrer, der das Gelände auch gut kannte – in Anbetracht der eingehaltenen Geschwindigkeit eine riskante Fahrlinie wählte. Er hat zwar gegen kein Gesetz, jedoch gegen das Gebot des „aufmerksamen und kontrollierten Fahrens“ verstoßen, weshalb es ihn in weiterer Folge aufgrund einer nicht ungewöhnlichen Unebenheit aus aushob.

Da sich der Schifahrer in dem Gebiet gut auskannte und ihm die Gegebenheiten der Piste genau bekannt waren, hat auch die Bezeichnung der Piste als „rote Piste“ keinen Einfluss auf seinen Entschluss gehabt, die fragliche Piste überhaupt und in der konkreten Art und Weise zu befahren. Auch die Präparierung vermag daran nichts zu ändern, zumal man sich bei jeder Fahrt konkret auf diese einstellen muss. Aufgrund seiner „Ortskenntnisse“ und der gut erkennbaren Gegebenheiten hätte auch ein Warnschild für ihn keinen gesonderten Informationswert gehabt. Selbst wenn in den letzten 10 Jahren drei festgestellte Unfälle sich an dieser Passage ereignet haben kann daraus per se nicht geschlossen werden, dass eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht durch den Pistenbetreiber besteht.

Es fällt sohin in die Eigenverantwortung der jeweiligen Schifahrer, wenn bei „Ortskenntnis“ und guter Sicht/Erkennbarkeit sich eine Unebenheit auftut, den Pistengegebenheiten entsprechen zu fahren und die gebotene Sorgfalt einzuhalten.

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