13 Dez 2011

Der Tierhalter hat die Einhaltung der objektiv erforderlichen Sorgfalt bei der Verwahrung und Haltung der Tiere zu beweisen, widrigenfalls er für sein rechtswidriges, wenn auch schuldloses Verhalten haftet (OGH 13.12.2011, 5 Ob 224/11v).

Die beklagte Partei ist Betreiberin eines Wildparks. Die Klägerin wurde durch das Geweih eines Hirsches, der ein von der Klägerin fallen gelassenes Futtersäckchen, ohne dass diese das Tier aktiv füttern wollte, aufgehoben hat, schwer verletzt. Im gegenständlichen Fall war der Betreiber des Wildparks als Wildhalter in Kenntnis davon, dass Besucher des Geheges das Wild entgegen dem ausdrücklichen Verbot, welches durch Schilder kundgemacht war, immer wieder fütterten, wozu es zu einer so genannten Futterdressur und somit zu einer Annäherung des Wildes an die Besucher kam. Nach Ansicht des Obersten Gerichtshofes wäre es dem Betreiber des Wildparks zumutbar gewesen, die von der Futterdressur betroffenen Wildtiere in einem für Besucher nicht zugänglichen Gehege des Wildparks zu verwahren. Diese Vorkehrung stellt keine Überspannung der Anforderungen an die Verwahrungs- und Beaufsichtigungspflicht dar. Wirtschaftliche Interessen treten im Verhältnis zur körperlichen Unversehrtheit von Tierparkbesuchern – so der OGH – jedenfalls zurück.

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